Tomaten: regional oder lieber aus Spanien?

Sobald die ersten sonnigen Tage kommen, wächst auch die Lust auf frische Tomaten. Zu dieser Zeit liegen im Supermarkt häufig schon deutsche Tomaten aus dem Gewächshaus neben Importware aus Spanien oder den Niederlanden. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher würden automatisch zur regionalen Variante greifen, schließlich gelten kurze Transportwege als klimafreundlich. Gleichzeitig schrecken manche vor höheren Preisen zurück.

Ganz so einfach ist die Entscheidung bei Tomaten jedoch nicht. Denn entscheidend ist nicht nur, wie weit die Früchte gereist sind, sondern vor allem, unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Die nachhaltigste Wahl hängt deshalb häufig von der Jahreszeit, der Anbauweise und dem Energieeinsatz ab.

Warum Tomaten im Frühjahr kompliziert sind

Tomaten lieben Wärme und Licht. In Deutschland beginnt die natürliche Freilandsaison deshalb meist erst im Sommer. Wer bereits im April oder Mai regionale Tomaten kaufen möchte, bekommt in der Regel Ware aus beheizten Gewächshäusern.

Genau dort entsteht ein großer Teil der Klimabelastung. Nicht der Transport verursacht bei Tomaten meist die meisten Emissionen, sondern die Energie, die für die Beheizung der Gewächshäuser benötigt wird. Studien zeigen, dass stark beheizte Gewächshaustomaten im Frühjahr teilweise deutlich mehr CO₂ verursachen können als sonnengereifte Tomaten aus Spanien. Dort wachsen viele Tomaten in ungeheizten oder nur leicht temperierten Folienhäusern mit deutlich geringerem Energieeinsatz.

Ein Transport über mehrere tausend Kilometer kann deshalb klimatisch manchmal weniger ins Gewicht fallen als ein beheiztes Gewächshaus in Mitteleuropa. Besonders im Winter und Frühjahr können Tomaten aus sonnenreichen Regionen daher eine günstigere Klimabilanz aufweisen.

Bedeutet das automatisch: Spanische Tomaten sind nachhaltiger?

Nicht unbedingt. Nachhaltigkeit lässt sich nicht allein am CO₂-Ausstoß messen. Auch soziale Standards, Transparenz, Pflanzenschutz, Wasserverbrauch und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe spielen eine wichtige Rolle.

Tomaten aus Deutschland oder den Niederlanden können trotz eines höheren Energiebedarfs in einzelnen Bereichen Vorteile bieten. Dazu gehören beispielsweise strengere Umwelt- und Sozialstandards, eine gute Rückverfolgbarkeit und mehr Transparenz bei den Produktionsbedingungen.

Spanische Tomaten profitieren vor allem von den natürlichen Bedingungen. Viel Sonnenlicht ermöglicht den Anbau mit weniger Heizenergie und sorgt besonders im Winter und Frühjahr häufig für eine bessere Klimabilanz.

Gleichzeitig gibt es Herausforderungen. In einigen Anbauregionen, insbesondere rund um Almería in Südspanien, stehen der hohe Wasserverbrauch, große Flächen unter Plastikfolien und die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitskräften seit Jahren in der Kritik. Gleichzeitig entwickeln sich auch dort moderne Betriebe weiter und setzen zunehmend auf biologischen Pflanzenschutz, effizientere Bewässerungssysteme und strengere Zertifizierungen.

Deutsche Gewächshäuser: Vom Erdgas zu erneuerbaren Energien

Auch beim regionalen Anbau befindet sich die Branche im Wandel. Moderne Gewächshausbetriebe versuchen zunehmend, den Einsatz fossiler Energie zu reduzieren. Klimafreundlichere Ansätze sind die Nutzung industrieller Abwärme, Biomasse, Biogas, Wärmespeicher, Geothermie und Wärmepumpen.

 

Einige Gewächshausprojekte nutzen bereits Abwärme aus Industrieanlagen oder Kraftwerksstandorten, um große Anbauflächen zu beheizen. Auch in Deutschland entstehen Betriebe, die ganzjährig Tomaten produzieren und dabei moderne Energiesysteme einsetzen. Diese Entwicklungen zeigen, dass regionale Gemüseproduktion langfristig klimafreundlicher werden kann.

 

Noch sind solche Lösungen allerdings nicht flächendeckend verbreitet. In vielen Gewächshäusern spielt Erdgas weiterhin eine wichtige Rolle, da die Umstellung auf neue Energiesysteme hohe Investitionen erfordert. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Branche, nachhaltigere Lösungen zu entwickeln, denn die Heizung gehört zu den größten Kostenfaktoren im Gewächshausanbau.

Und wie sieht es in Sachsen aus?

In Sachsen und der Region Leipzig gibt es Gartenbau- und Gewächshausbetriebe, größere bekannte Tomatenprojekte mit Abwärmenutzung oder ganzjähriger Hightech-Produktion spielen bislang jedoch kaum eine Rolle. Die Region setzt stärker auf saisonale Freilandproduktion, kleinere Gartenbaubetriebe und klassische Sommerware.

 

Gerade deshalb sind regionale Tomaten aus Sachsen vor allem während der heimischen Saison eine gute Wahl. Im Hochsommer stammen viele Tomaten aus dem Freiland oder aus unbeheizten Gewächshäusern und benötigen deutlich weniger Energie für die Produktion.

Was bedeutet das für den Einkauf?

Tomaten nur während der heimischen Freilandsaison zu essen, erscheint für viele Verbraucherinnen und Verbraucher wenig realistisch. Schließlich gehören Tomaten mit einem hohen Pro-Kopf-Verbrauch zu den beliebtesten Gemüsesorten in Deutschland. Nachhaltiger Konsum bedeutet deshalb nicht, vollständig auf Tomaten außerhalb der Saison zu verzichten, sondern bewusster auszuwählen.

 

Ein wichtiger Orientierungspunkt ist die Jahreszeit. Im Sommer sind regionale Freilandtomaten häufig die beste Wahl, da sie kurze Wege mit einem geringen Energieeinsatz verbinden. Im Winter und frühen Frühjahr lohnt dagegen ein genauer Blick auf Herkunft und Produktionsweise. Tomaten aus sonnigen Regionen können dann klimatisch teilweise günstiger sein als regionale Ware aus stark beheizten Gewächshäusern.

 

Zusätzliche Hinweise wie Bio-Anbau, ungeheizter Anbau oder der Einsatz erneuerbarer Energien können helfen, eine bessere Entscheidung zu treffen. Auch regionale Produkte, die mit modernen und klimafreundlicheren Produktionsmethoden erzeugt wurden, können langfristig eine wichtige Rolle spielen.

 

Am Ende geht es nicht darum, einzelne Herkunftsländer pauschal als gut oder schlecht zu bewerten. Nachhaltige Ernährung entsteht durch informierte Entscheidungen im Alltag: möglichst saisonal einkaufen, regionale Tomaten besonders im Sommer bevorzugen und im Winter stärker auf Herkunft und Produktionsbedingungen achten. Wer bewusster auswählt und Lebensmittel wertschätzt, kann einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Ernährung leisten.

Die Videos zeigen ein Beispiel einer Pilzzucht.

Pilzzucht im Landkreis Leipzig und Nordsachsen

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