Thomas sorgt für
unsere Milch
Thomas Rößner ist einer von drei Vorständen einer Leipziger Agrargenossenschaft. Neben Ackerbau und Schweinezucht hält der Betrieb auch Milchrinder. In den letzten Jahren hat die Genossenschaft verstärkt daran gearbeitet, ihre Milch selbst zu verarbeiten und regional zu vermarkten. Gleichzeitig stellt sich die Herausforderung, Verbraucherinnen und Verbrauchern zu erklären, warum Milch aus dem Nachbarort oft teurer ist als Handelsmarken und wie Transparenz nicht am Hoftor endet, sondern auch im Supermarkt sichtbar wird. Thomas wünscht sich, dass regionale Produkte im Einzelhandel klarer erkennbar sind.
Milchwirtschaft in Sachsen
Deutschland gehört zu den größten Milchproduzenten Europas, und auch Sachsen leistet dazu einen bedeutenden Beitrag. Im Freistaat werden rund 170.000 Milchkühe in etwa 800 bis 900 Betrieben gehalten. Mit durchschnittlich über 200 Kühen pro Betrieb sind die Herden deutlich größer als im Bundesdurchschnitt. Diese historisch gewachsene Struktur prägt auch die Region Leipzig und Nordsachsen, wo größere, ackerbaulich geprägte Betriebe mit integrierter Milchviehhaltung typisch sind.
Die sächsischen Milchkühe erreichen im Bundesvergleich hohe Leistungen: Im Schnitt produziert eine Kuh über 10.000 Kilogramm Milch pro Jahr. Die Milchwirtschaft ist damit effizient organisiert und ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für den ländlichen Raum.
Verarbeitung und Kosten
Die Weiterverarbeitung von Milch ist technisch anspruchsvoll und kostenintensiv. Pasteurisierung, Verpackung, Lagerung und Vertrieb erfordern hohe Investitionen. Für die meisten kleinen und mittelgroßen Betriebe ist eine eigene Molkerei wirtschaftlich nicht tragfähig. Deshalb konzentrieren sie sich auf die Rohmilchproduktion, während spezialisierte Molkereien die Verarbeitung in großen Mengen effizient übernehmen.
Die regionale Wertschöpfung entsteht dennoch in vielen Bereichen: durch den Futteranbau, Arbeitsplätze in Landwirtschaft und Molkereien sowie durch Verarbeitung und Logistik innerhalb Sachsens.
Warum regionale Milch im Supermarkt selten erkennbar ist
Obwohl in Sachsen jährlich weit über eine Milliarde Liter Milch erzeugt werden, finden sich im Supermarkt oft nur wenige Produkte, die klar aus der unmittelbaren Region stammen. Der wichtigste Grund liegt in der arbeitsteiligen Organisation der Milchwirtschaft: Die landwirtschaftlichen Betriebe produzieren Rohmilch und liefern sie an große Molkereien. Dort wird die Milch vieler Betriebe gesammelt, gemischt und zu Produkten verarbeitet, die bundesweit oder international vermarktet werden.
Dadurch geht der regionale Bezug im Regal häufig verloren, selbst wenn die Milch ursprünglich von einem nahegelegenen Hof stammt. Hinweise wie das Molkereikennzeichen (z. B. „DE SN“ für Sachsen) geben lediglich den Verarbeitungsort an, nicht jedoch die genaue Herkunft der Rohmilch. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist diese daher oft nicht eindeutig nachvollziehbar.
„Wir haben hier einen geschlossenen Kreislauf. Alles was aus der Kuh herauskommt wird entweder in Form von Milch verwertet oder die Gülle geht wieder auf unsere Flächen als Dünger, sodass wir dort dann auch wieder Futtermittel für die Tiere anbauen können.“
Thomas Rößner, Agrarproduktion Kitzen
Regionale Milch bewusst finden und stärken
Trotz der strukturellen Herausforderungen gibt es Möglichkeiten, gezielt regionale Milch zu kaufen. In der Region Leipzig und Nordsachsen bieten Milchtankstellen, Hofläden und Direktverkäufe entsprechende Produkte an. Auch im Einzelhandel wächst das Angebot an regional gekennzeichneten Produkten, insbesondere in inhabergeführten Märkten sowie in Bio- und Hofläden.
Einige kleinere Hofmolkereien und regionale Marken haben bereits den Weg in Supermärkte gefunden, die bewusst regionale Sortimente fördern. Wer auf Herkunftsangaben, Siegel oder spezielle Regionalregale achtet, kann Produkte aus der eigenen Umgebung erkennen.
Eine klare Kennzeichnung der Herkunft – nicht nur des Verarbeitungsortes, sondern auch der Rohmilch – könnte dazu beitragen, regionale Produktionsstrukturen sichtbarer zu machen. Denn wer Milch aus Sachsen kauft, unterstützt die gesamte Wertschöpfungskette vor Ort und stärkt die Landwirtschaft in der eigenen Region.
Im Einsatz für unsere Region
Thomas und weitere Erzeuger geben unseren regionalen Lebensmitteln auf zahlreichen Werbeflächen ein Gesicht.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Milch
https://bzfe.de/kueche-und-alltag/vom-acker-bis-zum-teller/milch
https://www.bauernverband.de/themendossiers/milch
https://www.landwirtschaft.sachsen.de/milchrind-44936.html
https://milchindustrie.de/milkipedia/pasteurisierung/
https://www.initiative-milch.de/articles/nachhaltigkeit-in-der-milchwirtschaft/