Gemüse und Kartoffeln​

Vom Acker auf den Tisch

Kartoffeln, Karotten, Salat und viele andere Feldfrüchte werden direkt in unserer Region angebaut – mit viel Erfahrung, Geduld und Fingerspitzengefühl. Doch wie gelangen sie vom Acker auf unseren Tisch? Hier lernst du Stärken und Herausforderungen des regionalen Gemüseanbaus kennen.

Regionale Gemüseproduktion: Chancen und Herausforderungen

Auf den Feldern rund um Leipzig und in Nordsachsen gedeihen robuste Feldfrüchte und Gemüsesorten: Kohl, Rüben, Zwiebeln oder Kürbis lassen sich regional anbauen, lagern und bis weit in den Winter hinein nutzen. Diese lagerfähigen Kulturen, machen daher den größten Flächenanteil bei Gemüse aus und liefern einen Beitrag zur regionalen Grundversorgung, wenn auch einen Kleinen.

Viele Erträge landen auch im Supermarkt um die Ecke. Nur werden sie zuvor meist zentral gelagert und überregional in die Märkte geliefert. Häufig ist die Herkunft dann nur mit „Deutschland“ gekennzeichnet. Viele Sorten, die heute selbstverständlich zur alltäglichen Ernährung gehören, haben hierzulande nur eine kurze Saison oder lassen sich gar nicht wirtschaftlich anbauen. Dazu zählen vor allem Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini und Auberginen. Sie wachsen in Sachsen meist nur wenige Monate im Jahr, werden aber in der vorherrschenden Ernährungskultur ganzjährig und in großen Mengen nachgefragt.

Um diese konstante Verfügbarkeit sicherzustellen, muss ein erheblicher Teil importiert werden – etwa aus Südeuropa oder aus beheizten Gewächshausanlagen. So gelangen jedes Jahr Millionen Tonnen Obst und Gemüse aus allen Ecken der Welt in die Regale unserer Supermärkte.

In unserem Alltag merken wir wenig davon – wir greifen einfach zu, was frisch aussieht und gut schmeckt.. Bei einer der beliebtesten Gemüsesorten Deutschlands, der Tomate, kommen nur 4 Prozent des Verbrauchs an Frischware aus deutschen Anbauflächen. Diese Diskrepanz zwischen regionaler Anbausaison und ganzjährigem Konsum zeigt sich in der Versorgungsbilanz.

 

9% Gemüse aus der Region

Der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse liegt in Sachsen nur bei 9 Prozent. Auch diese geringen Werte zeigen seit ca. 10 Jahren einen rückläufigen Trend, was laut Sächsischem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, vor allem mit der zurückgehenden Anbaufläche in Verbindung steht. Ursachen sind unter anderem niedrige Erzeugerpreise in Folge von Preissenkungen durch den Lebensmitteleinzelhandel, Einschränkungen beim Pflanzenschutz, Verlust an Vermarktungsstrukturen, fehlendes Ackerland oder ein Rückzug der Gemüseanbau-Spezialisten.

 

Der Gemüseanbau ist sehr arbeitsintensiv, oftmals können die hohen Produktionskosten am Markt nicht ausreichend entgolten werden. Auch extreme Witterungsverhältnisse führen immer wieder zu Ernte- und damit Ertragsausfällen.

In Summe führen diese Faktoren zu einer sinkenden Attraktivität des Gemüseanbaus.

 

Sachsens Stärken im Gemüseanbau

Der Gemüsebau in Leipzig und Nordsachsen ist überwiegend auf den Frischmarkt ausgerichtet. Eine wichtige Ausnahme bilden (Mark-)Erbsen, die flächen- und mengenstark angebaut, jedoch fast ausschließlich industriell weiterverarbeitet werden. Mit etwa 2.460 Hektar ist Sachsen der größte Erzeuger in Deutschland und verantwortlich für rund 49 Prozent der deutschen Anbaufläche. Diese Erbsen werden hauptsächlich zu Tiefkühlprodukten verarbeitet und in ganz Deutschland verkauft. Auf 63 Prozent der sächsischen Gemüsefläche wachsen Markerbsen – ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung dieser Kultur auch in der Region Nordsachsen.

 

Darüber hinaus gibt es in Sachsen regionale Schwerpunkte im Gemüsebau. So wird im Landkreis Leipzig etwa drei Viertel der sächsischen Zwiebelernte produziert, während der Landkreis Nordsachsen rund 70 Prozent des Spargels anbaut. Wer in Sachsen zur Saison frischen Spargel genießt, hat sehr gute Chancen, ein regional erzeugtes Produkt auf dem Teller zu haben.

 

Nach Angaben des Statistisches Landesamtes des Freistaates Sachsen zählen auch Kohlarten zu den flächenmäßig stärksten Gemüsekulturen und nehmen regelmäßig rund ein Drittel der gesamten sächsischen (Freiland-)Gemüsefläche ein.

Kartoffeln aus Sachsen haben Potenzial

Bei der Kartoffelproduktion ist Sachsen ebenfalls gut aufgestellt: Jährlich werden etwa 210.000 Tonnen Kartoffeln geerntet, und dafür wird etwa 1 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche benötigt. Trotzdem liegt der Selbstversorgungsgrad nur bei 55 Prozent und damit unterhalb des deutschen Durchschnitts. Der Kartoffelanbau konzentriert sich auf drei Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern, die zusammen fast 80 % der deutschen Kartoffeln liefern. Gleichzeitig besteht auch hier ein hoher Preisdruck.

Regionales Gemüse kaufen

Neben den Kulturen (Kartoffeln, Erbsen) die in größerem Umfang produziert und überregional vermarktet werden, gibt es Betriebe die eine Vielfalt an Sorten, durchdachten Fruchtfolgen, Bodengesundheit und saisonale Besonderheiten in den Mittelpunkt stellen.

Wer regionales und saisonales Gemüse kaufen möchte, findet es auch abseits des klassischen Supermarkts. Viele kleine und mittlere Höfe, sowohl ökologisch als auch konventionell, vermarkten ihre Erzeugnisse direkt: über Hofläden, Wochenmärkte, Abokisten oder Erzeuger-Verbraucher-Kooperationen. Dort stammt das Gemüse aus der unmittelbaren Umgebung und folgt stärker dem natürlichen Saisonverlauf.

 

Der regionale Einkauf erfordert jedoch Flexibilität: Das Angebot ist saisonal begrenzt, die Auswahl wechselt und nicht jede Gemüsesorte ist jederzeit verfügbar. Wer sich darauf einlässt, kann sehr lokal einkaufen und gleichzeitig Einblicke in Herkunft, Anbauweise und Betriebe gewinnen. Das Angebot ist regional unterschiedlich dicht und häufig mit höheren Kosten verbunden.

 

Trotz aller Bemühungen wird unser Speiseplan weiterhin eine Mischung aus heimischen und importierten Produkten bleiben. Eine gute Frage ist: Welche Lebensmittel möchten wir zukünftig noch stärker regional genießen?

Quellen:

Gartenbau Sachsen. (n.d.). Markerbsen: Ein wertvoller Proteinlieferant aus der Region. Sachsen.de. Abgerufen am 3. Dezember 2025, von https://www.gartenbau.sachsen.de/markerbsen-41106.html

 

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Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. (2025). Selbstversorgungsgrad mit pflanzlichen Erzeugnissen. Abgerufen am 25. November 2025 von https://www.landwirtschaft.sachsen.de/selbstversorgungsgrad-mit-pflanzlichen-erzeugnissen-37321.html

 

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. (2025). Gemüse-Anbaufläche im Freiland. Abgerufen am 25. November 2025 von https://www.landwirtschaft.sachsen.de/gemuese-anbauflaeche-im-freiland-37286.html#:~:text=Sachsen%20ist%20eine%20wichtige%20Anbauregion,letzten%20Jahren%20um%203.000%20ha.

 

Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen. (2024). Agrarstrukturerhebung 2023: Sächsische Betriebe deutlich größer als der Bundesdurchschnitt (Medieninformation Nr. 33/2024). Abgerufen am 25. November 2025 von https://www.statistik.sachsen.de/download/presse-2024/mi_statistik-sachsen-033-2024_agrarstruktuererhebung-landwirtschaftliche-betriebe-2023.pdf?utm_source=chatgpt.com

 

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. (2025). Gemüse-Anbaufläche im Freiland. Abgerufen am 25. November 2025 von https://www.landwirtschaft.sachsen.de/gemuese-anbauflaeche-im-freiland-37286.html#:~:text=Sachsen%20ist%20eine%20wichtige%20Anbauregion,letzten%20Jahren%20um%203.000%20ha.

 

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Statistisches Landesamt Sachsen. (2022). Gemüseanbau in Sachsen 2021. Abgerufen am 3. Dezember 2025, von https://www.statistik.sachsen.de/download/presse-2022/mi_statistik-sachsen_034-2022_gemueseanbau-2021.pdf

 

Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen. (2017/2024). Anbau und Ernte von Gemüse und Erdbeeren im Freistaat Sachsen (Gemüseanbauerhebung; 2017 sowie aktualisierte Datentabelle 2024). Abgerufen am 4. Februar 2026 von
https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/SNHeft_derivate_00010300/statistik-sachsen_cI3_gemuese-erdbeeren.pdf

 

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). (o. J.). Versorgung mit Obst, Gemüse, Zitrusfrüchten, Schalen- und Trockenobst (Versorgungsbilanzen). Abgerufen am 4. Februar 2026 von
https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/obst-gemuese-zitrusfruechte-schalen-und-trockenobst